Erfahrungsberichte aus Cambridge

Laura Tamoj

Die Queen, Teatime, Jane Austen, Harry Potter – wenn man mich fragen würde, warum ich mich für Sprachferien in England entschieden habe, wären das die Gründe, dich ich aufzählen würde. Jetzt, wo ich wieder da bin, habe ich erfahren, dass man von diesen Dingen in England viel weniger sieht als man denkt. Dennoch habe ich tausend neue Gründe gewonnen, eines Tages wiederzukommen. Mein Aufenthalt in Cambridge hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar noch übertroffen.

Mein Flug verlief wie geplant und auch der Transfer vom Flughafen von meiner Gastfamilie klappte wie am Schnürchen. Es stellte sich heraus, dass ich mit einem russischen und einem spanischen Mädchen zusammen in einer Familie leben würde. Julia, die Russin, würde mich außerdem am nächsten Tag in die Sprachschule begleiten, was mich ein wenig entspannte.

Meine Ankunft in der Gastfamilie war sehr herzlich und ich wurde nicht nur von ihrem Hund Poppy freundlich willkommen geheißen. Das Haus meiner Gastfamilie war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte, und mein Zimmer war winzig. Auch das Essen war etwas gewöhnungsbedürftig, aber ab meinem zweiten Tag hatte ich mich so weit eingewöhnt, dass es mich nicht mehr störte. Im Nachhinein sehe ich es als eine wichtige und gute Erfahrung, dass ich einfach gezwungen war, mich den neuen Lebensumständen anzupassen.

Viel Zeit darüber nachzudenken blieb mir ohnehin nicht, da ich sofort müde in mein Bett fiel und morgens früh in der Sprachschule – Kaplan Aspect Language School –  erwartet wurde. Die Busfahrt mit zwei verschiedenen Bussen, die mir zu Anfang etwas Angst gemacht hatte, stellte sich als ganz einfach heraus. Schließlich verzichtete ich für die nächsten zwei Wochen darauf, den zweiten Bus aus dem Zentrum von Cambridge zur Schule zu nehmen, sondern ging zu Fuß, was mich etwa zwanzig Minuten kostete. Die menschenleere Innenstadt von Cambridge und die altehrwürdigen Collegegebäude im Morgenlicht entschädigten mich jedoch vollkommen für den Zeitverlust.

Aber ich wollte eigentlich von der Sprachschule erzählen: Die Atmosphäre an der Schule war einfach nur beeindruckend. Ich hätte mir unmöglich träumen lassen, dass es dort so international zugehen würde. Und es war auch nicht so, dass nur die Deutschen, die Italiener usw. zusammensaßen, sondern es bildeten sich buntgemischte Gruppen. Alle waren unglaublich offen, freundlich und interessiert, und obwohl es mir normalerweise schwer fällt, auf fremde Menschen zuzugehen, hatte ich innerhalb meiner ersten Stunden schon viele Bekanntschaften geknüpft.

Bei einem Ausflug in die City von Cambridge bekamen wir die wichtigsten Stellen gezeigt, also alles vom Lebensmittelladen über die Bank bis zum King’s College. Dass das Wetter absolut gegen jedes Klischee herrlich sonnig und warm war, trug nur zur allgemeinen guten Laune bei.

Am nächsten Tag hatte ich meinen ersten Tag in meinem neuen Kurs. Ich war als „advanced“ eingestuft worden, was das höchste Level war. Meine Klasse bestand aus ungefähr fünfzehn Schülern, von denen aber nie alle da waren. Meine Unterrichtsstunden fanden vormittags statt, danach hatte ich die Möglichkeit, in der Schule zu essen, das Internet zu nutzen oder die Stadt zu erkunden. Ich hatte jeweils eineinhalb Stunden bei zwei verschiedenen Lehrerinnen, die beide auf ihre Weise ideal für mich waren. Auch die Englischkenntnisse in meinem Kurs waren sehr hoch, wodurch es möglich war, viel zu diskutieren.

Da das Level schon ziemlich hoch war, habe ich vielleicht nicht viel neue Grammatik gelernt, trotzdem war der Unterricht sehr informativ und nie langweilig. Indem wir Themen behandelt haben, zu denen jeder etwas sagen konnte (z. B. „Challenges“), wurde sichergestellt, dass alle mitreden konnten und wollten. Ich habe viel Sicherheit dadurch gewonnen, dass ich keine Angst haben musste, Fehler zu machen, und die anderen tatsächlich verstanden haben, was ich sagen wollte.

Durch die vielen Nationalitäten und Kulturen kam es während des Unterrichts immer wieder zu lustigen und interessanten Situationen. In Diskussionen, Rollenspielen und Gruppenarbeiten haben wir nicht nur viel übereinander gelernt und Vorurteile überwunden, sondern auch eine Menge Spaß gehabt. Die Lehrer standen dem nicht im Weg, sondern waren durchaus bereit, sich auf Diskussionen oder Themen einzulassen, die weit vom eigentlichen Thema entfernt lagen. Insgesamt hatte ich nie das Gefühl, in der Schule zu sein, aber ich bin sicher, dass ich mindestens genauso viel, wenn nicht sogar mehr, gelernt habe.

Mit vielen meiner Mitschüler verstand ich mich so gut, dass ich auch die Nachmittage mit ihnen verbrachte. In Cambridge gibt es viel mehr zu sehen als man in zwei Wochen erkunden kann. Ich bin noch nicht einmal dazu gekommen, mir die Colleges von innen anzugucken, dafür habe ich während einer geführten Puntingtour viel über die Stadt erfahren und die ein oder andere lustige Anekdote über die verfeindeten Colleges gehört. Auch das Fitzwilliam Museum war beeindruckend. Man kann natürlich auch einfach nur in einen der unglaublich vielen Parks gehen und sich entspannen oder die riesigen Buchhandlungen durchstöbern.  Ein echter Geheimtipp ist auch der Markt, der in der Woche auf dem Marktplatz aufgebaut wird. Dort gibt es nicht nur Cambridgepullover und andere Souvenirs um einiges günstiger als im Shop, sondern auch absolut weltmeisterliche Smoothies (ein echter Geheimtipp!!).

Da ich nur zwei Wochen in Cambridge war, musste ich mein Wochenende für größere Ausflüge nutzen. Am Samstag ging es mit einer von der Schule organisierten Fahrt nach London. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich auch auf eigene Faust hätte fahren können, und dadurch um einiges unabhängiger von der Gruppe gewesen wäre, aber da ich allein unterwegs war, war die Busfahrt auch nicht schlecht. Mal abgesehen, dass man von London an einem Nachmittag kaum mehr als einen Eindruck gewinnen kann, war die Stadt absolut umwerfend. Ich wäre gern noch ein zweites Mal hingefahren, um mehr Zeit zu haben und mir ein paar Museen und Sehenswürdigkeiten von innen anzusehen, aber das passte leider nicht in meinen Zeitplan.

Am Sonntag nahm ich nämlich an der Schulfahrt nach Stratford-upon-Avon und Warwick Castle teil. Für Shakespeare-Begeisterte (wie mich…) ist ein Besuch in Stratford sicher empfehlenswert. Shakespeare’s Birthplace, Nash’s House und Hall’s Croft sind die drei Häuser in Stratford die noch original wie zu Shakespeares Zeiten eingerichtet sind.  Ansonsten ist Stratford ein gemütliches, etwas touristisches kleines Städtchen, in dem man aber nicht unbedingt mehr Zeit verbringen muss.

Der zweite Programmpunkt war Warwick Castle. Dabei handelte es sich um eine mittelalterliche Burg, die zu einer Art Erlebniswelt umgestaltet worden war. Insgesamt war das ganze Programm mehr auf jüngeres Publikum zugeschnitten, weshalb ich mich etwas fehl am Platz fühlte. Sehr beeindruckend war jedoch, wie ein mittelalterliches Katapult abgefeuert wurde. Nun, vielleicht nicht das Abfeuern an sich, was etwa eine Sekunde dauerte, sondern vielmehr der Mann in Ritterkostüm, der darum eine halbe Stunde Show machte. Im Endeffekt war es aber sowieso egal, wo der Ausflug hinging. Dank der netten Leute hätte ich überall eine Menge Spaß gehabt.

Viel zu schnell ging meine zweite Woche zu Ende, und dann war es auch schon Freitag. Als ob es nur für mich geplant geworden wäre, gab es am Freitagabend eine große Party mit Konzert in einem der Parks, wo ich mich von allen verabschieden konnte. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil ich nur zwei Wochen dort gewesen war, fiel mir der Abschied unendlich schwer. Ich hatte in der kurzen Zeit so viele nette Leute getroffen, die ich sehr vermissen würde. Natürlich wurden alle E-Mail-Adressen ausgetauscht, und mit einigen der Leute habe ich immer noch Kontakt.

Alles in allem war mein Aufenthalt in Cambridge mehr als nur gelungen, er war geradezu perfekt, wenn auch viel zu kurz. Ich hatte mich während der zwei Wochen so daran gewöhnt, Englisch zu sprechen, zu essen, zu denken, ja, zu leben, dass mir zuhause unheimlich weit weg vorkam. Inzwischen habe ich mich gut wieder eingelebt und erinnere mich immer wieder gerne an die tolle Zeit, die ich in Cambridge verbracht habe.

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