Lisa Hoelzle-Fischer

Nach einer etwas anstrengenden Reise, stieg ich erschöpft aus dem Bus, neben mir meine ebenfalls müde Freundin. Draußen warteten bereits die Gasteltern und nahmen uns in Empfang. Jeder bekam einen Briefumschlag mit einem Stadtplan und einem Busfahrplan in die Hand gedrückt und wurde dann seinen Gasteltern „übergeben“. Wie nach Wunsch mit Freund oder Freundin. Natürlich entsprach keiner der Wartenden unserem Wunschbild, aber das war schnell vergessen bei dem herzlichen Empfang.

Direkt am Anfang wurde unser Englisch auf eine harte Probe gestellt, denn unser Gastvater kam aus London, weshalb er sehr schnell sprach und er eine etwas andere Aussprache hatte als unser Englischlehrer, der schön langsam und deutlich spricht (mittlerweile finde ich, dass er zu langsam redet, an die schnelle Sprache gewöhnt man sich schnell). Das war mit unserer Gastmutter schon einfacher, sie gab sich redlich Mühe, dass wir keine Probleme hatten, sie zu verstehen. Im neuen Zuhause angekommen, wurde uns erstmal das Zimmer gezeigt. Hierbei handelte es sich um ein gemütliches kleines Zimmerchen, bestehend aus einem Schrank, einer Kommode, einem Fernseher der auf einer Art Nachttisch stand und nicht zu vergessen die zwei Betten. Unsere mitgebrachten Steckdosen- Aufsätze haben wir gar nicht gebraucht, die Familie hatte schon so viele Gastkinder, dass in diesem Raum sämtliche Steckdosen mit so einem Aufsatz für deutsche Stecker ausgerüstet waren. Nachdem wir ausgepackt hatten, gab es auch schon Essen, aber, jetzt wird’s interessant, es war total lecker! Es gab Nudeln mit irgendeiner Tomatensoße. Nur eins kennen Engländer irgendwie nicht und zwar Säfte. Es gibt etliche Sirups aber so gut wie keine Säfte, auch das Trinkwasser kommt grundsätzlich aus der Leitung. Und nicht wundern, scheinbar laufen die Fernseher da nonstop (jedenfalls erinnere ich mich nicht, den jemals ausgeschaltet gesehen zu haben, außer als die Gasteltern das Haus verlassen hatten). Abends überreichten wir dann das Gastgeschenk, ein Kochbuch auf Englisch mit typisch deutschen Gerichten.

Am ersten Morgen wurden wir von unserer Gastmutter Janice zum Pier gebracht, wo schon ein großer Teil der restlichen Mannschaft stand, unter anderem zwei Mädchen, die während der Busfahrt neben uns gesessen hatten, mit denen wir auch schnell wieder ins Gespräch kamen. Dann haben wir eine Stadtführung gemacht. Eastbourne schien total unübersichtlich, aber auch nur an diesem Tag, danach war es uns so bekannt wie unsere eigene Heimatstadt. Danach haben wir noch einen Einstufungstest gemacht und einen freien Text geschrieben.
Am zweiten Tag war das erste Mal richtiger Unterricht. Eingeteilt in unseren Gruppen nach Leistung, saßen wir in unseren Räumen und folgten mehr oder weniger dem Unterricht. Letztendlich hat der Unterricht uns schon weitergebracht, obwohl viel reine Wiederholung war. Danach stand Sport im Gildredge Park an, eine relativ großer Park mit Tennis- und Fußballplätzen und Volleyballnetzen. Für die, die zu faul waren um groß Sport zu treiben, gab es auch noch die Möglichkeit, einfach in der Sonne rum zu liegen. Abends wäre noch Disco im Basement gewesen, aber wir waren zu müde um noch tanzen zu gehen. Außerdem hatten wir ja noch drei Mal die Möglichkeit unser „Können“ dort unter Beweis zu stellen.

Am dritten Tag wiederholte sich das Schulspektakel, danach eine Wanderung zum Beachy Head, die wir aber ausgelassen haben, da wir lieber faul am Strand gelegen haben, und abends das BBQ am Strand. Das BBQ fand ein ganzes Stück vom Pier entfernt statt, wo der Strand wesentlich sauberer war.

Am vierten Tag war die Schule für uns schon ganz normal, nur an die nicht ganz so leckeren Lunchpacks hatten wir uns nicht so gewöhnt und das würden wir auch nie, weshalb es dann regelmäßig Mittagessen beim amerikanischen Spezialitäten Restaurant oder von Subway gab.
Nach dem Essen ging es dann nach Brighton, eine anschaulich große und verwirrende Stadt, in der wir Mühe hatten uns zu Recht zu finden, doch irgendwann gelang uns auch das. Auch hier gab es mindestens einen großen Park nah am Stadtzentrum. Die Liegewiesen waren mit einem kleinen Zaun eingegrenzt, weshalb es wirkte, als wären die Leute draußen auf dem Gehweg in einem Gehege
.
Am fünften Tag, ein Donnerstag, war mal wieder gigantisches Wetter und die Gruppe wollte bowlen gehen, und wir lagen mal wieder Strand bei so einem schönen Wetter, was in England bekanntlich nicht grade häufig ist. Am Abend holten wir dann unseren absichtlich verpassten Discobesuch nach, und wurden nicht enttäuscht, es hat einfach nur Spaß gemacht.
Am sechsten Tag standen dann Schwimmen im Schwimmbad und Kino an. Schwimmen waren wir auch, allerdings im Meer, den Abend verbrachten wir am Strand.

Am Samstag ging es dann nach London. Nach Madame Tussaud‘s durften wir die Stadt alleine erkunden. Irgendwann mussten wir uns dazu durchringen, doch Vorbeigehende nach dem Weg zu fragen, denn unsere Künste im Karten lesen waren während der letzten Woche bis zum letzten ausgereizt gewesen. Nach großen Hin und Her fanden wir Big Ben und London Eye dann doch. Ich glaube, während des ganzen Urlaubs sind wir alle doch ein ganzes Stück selbstständiger geworden, vor allem aber auch sicherer im Umgang mit Karten.

Sonntags hatten wir dann frei und während die anderen sich in der Sonne gebraten haben, sind wir mit unserer Gastfamilie in eine alte Burg aus dem Jahre 1066 gefahren. Abends waren wir dann im Kino und waren erstaunt, wie viel wir verstanden haben von dem was geredet wurde. Tatsächlich hatten wir keine Probleme mehr, irgendeinen x-beliebigen Engländer zu verstehen, im Gegenteil. Obwohl wir zugegebener Maßen viel Deutsch geredet hatten untereinander, unser Englisch konnte sich mittlerweile sehen bzw. hören lassen.
Am folgenden Montag stand wieder das gleiche an, wie auch am ersten. Diesmal gingen wir aber doch in die Disco.

Dienstag machten wir eine Exkursion nach Hastings, ein schönes kleines Städtchen, meiner Meinung nach aber zu klein für 15 Tage Urlaub. Aber Brighton wäre zu groß gewesen, Eastbourne war das perfekte Mittelding.

Am zweiten Mittwoch stand eine Rallye durch Eastbourne auf dem Programm, unserer Meinung nach aber sinnlos, da wir uns ja schon ziemlich gut auskannten. Also ein weiterer Punkt, an dem wir nicht teilnahmen, sondern mal wieder den Strand bei genialem Wetter vorzogen. Abends war das letzte Mal Disco.

Am folgenden Tag, Donnerstag, ging es dann entweder das zweite Mal nach London shoppen oder eine Rundfahrt durch Sussex. Ich entschied mich für Sussex meine Freundin fuhr mit nach London. An dem Tag war auch kein Unterricht, an den wir uns doch schon so gewöhnt hatten.

Am letzten ganzen Tag in Eastbourne hatten wir nur Kurzstunden und den restlichen Tag konnten wir machen, was wir wollten. Da alles in Eastbourne verdammt preiswert ist, haben wir noch mal eine große Shoppingtour eingelegt. Abends waren wir mit fast der ganzen Gruppe am Strand, zur „Abschlussfeier“.

Unsere Abreise am Samstag verlief ohne Probleme, obwohl der Abschied von unseren Gasteltern irgendwie traurig war. Alles in allem, waren es zwei tolle Wochen, in denen man sich viel verändert hat, selbständiger geworden ist und neue Leute kennen gelernt hat, außerdem viel Spaß hatte und wie nebenbei ziemlich viel Englisch gelernt hat.

Lisa Hoelzle-Fischer

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