Viola Gissibl

„Schau mal, die da haben auch einen iSt-Rucksack, die fliegen sicher mit uns.“, flüsterte meine Freundin mir am Flughafen in München zu und deutete unauffällig auf drei Mädchen und zwei Jungs. Die Mädchen hatten uns inzwischen bemerkt, mit dem großen Umschlag von iSt waren wir auch nicht ganz unauffällig. Die ersten unsicheren Lächeln und Blicke wurden ausgetauscht. Das war also der Anfang unserer zweiwöchigen Sprachreise nach Jersey.

Das Flugzeug war auf den ersten Blick ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn man sonst immer mit riesigen Jumbo-Jets flog. Eine kleine, süße Propellermaschine erwartete uns nämlich. Nach drei Stunden Flug, einer Zwischenlandung auf Guernsey (die ersten Eindrücke von den Kanalinseln waren entstanden- sehr typisch englisch, und mit schönen Stränden voll von badenden Menschen, was uns wunderte, aber auch freute, da der Pilot uns eigentlich 17° angekündigt hatte), kamen wir an, und ich setzte meinen ersten Schritt auf englischen Boden. Die Temperatur war um die 20°, und draußen wurden meine Freundin Ines und ich dann von unserer Familie abgeholt.

Unsere Familie bestand aus Danny, unserem Vater, Karen, unserer Mutter, und aus dem kleinen Sohn Kyran. Später erfuhren wir, dass wir auch noch zwei Mitbewohner hatten, die wir eigentlich nur ab und zu beim Abendessen sahen. Unser Haus, gemütlich eingerichtet, leider an einer Kreuzung, war dafür aber nur zwei Minuten vom Strand entfernt und mit dem Bus in nur fünf Minuten war der Liberation Square, der Treffpunkt aller Jugendlichen in St. Helier, der Hauptstadt, zu erreichen. In unserem Zimmer wurden wir herzlich von einer Deutschen und einer Französin begrüßt, die am Abend abreisten. Das deutsche Mädchen erklärte uns die Grundlagen und beantwortete unsere Fragen.

Am nächsten Tag, ein Sonntag, das Wetter war ein einziger Traum: 27°, trafen sich alle Jugendlichen am Strand, um sich dort besser kennen zu lernen. Es gab auch die Möglichkeit Beachvolleyball zu spielen. Leider lernten wir an diesem Tag nur Deutsche kennen, aber es war trotzdem ein total schöner und entspannender Tag. Eben ein richtiger Ferientag, mit Sonnenbaden, plantschen und quatschen =)

Der nächste Tag war unser erster Schultag. Der Einstufungstest war relativ einfach und meine Freundin und ich kamen in eine Klasse, die ziemlich genau unserer Leistungsstufe entsprach. An diesem Tag hatten wir nur noch zwei Stunden Unterricht. Unsere Klasse bestand aus acht Deutschen und einer Tschechin. Der Unterricht war während der zwei Wochen sehr abwechslungsreich, manchmal sehr interessant mit modernen Themen, und manchmal einfach nur lustig, zum Beispiel, als wir Rotkäppchen auf Englisch spielten oder einfach eine Geschichte schreiben sollten. Der Unterricht begann um neun Uhr, der Schulbus kam bei unserer Haltestelle um zwanzig nach acht, und endete um eins. Pause war von 10.30-11.00 Uhr und von 12.30-13.00 Uhr.

Danach begannen die Aktivitäten. Am ersten Tag hatten wir ein Programm bekommen für unsere nächsten zwei Wochen. Jeden Tag standen vier verschiedene Aktivitäten zur Auswahl, wie zum Beispiel der berühmte Jersey Zoo, Windsurfen, Wellenreiten, Bowling, einfach Relaxen am Beach, oder Museum. Wer einmal keine Lust auf eine dieser Aktivitäten hatte, konnte sich auch abmelden und mit einer Gruppe in die Stadt gehen. Aber „Shoppen“ war eh eine „Pflichtaktivität“ einmal in der Woche. Denn da waren dann keine anderen Aktivitäten zur Auswahl. Man hatte sonst nämlich nicht so oft die Zeit und Möglichkeit zum Stadtbummeln. Wir wohnten in St. Clement und waren so nicht besonders weit von der Stadt entfernt (wie oben bereits erwähnt), und trotzdem kamen wir nach den Aktivitäten erst um ca. halb sechs nach Hause.

Dann gab es Abendessen („teatime“), welches nie besonders lang dauerte, danach machten wir uns immer frisch und dann ging’s ab in die Stadt zum Liberation Square. Entweder man verbrachte dort seine Abende oder man ging mit anderen Leuten zum Strand, es gab eigentlich jeden Abend die Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen. Von der Schule aus waren auch pro Woche ein „Sports evening“, „Barbecue“ oder ein verbilligtes „Cinema“ geboten.

Zum Essen. Bei uns in der Familie gab es immer sehr typisches englisches Essen. Eigentlich zu jeder Mahlzeit gab es „Chips“ (also Pommes)…egal ob sie dazu passten oder nicht. Einige Beispiele: Lasagne mit Pommes und Hackfleisch, irische Würstchen mit Kartoffelbrei, mit englischer, brauner Soße, oder Pizza und Pommes = eben sehr englisch fett. Zum Frühstück gab es jeden Tag Cereals bzw. Cornflakes. Mittagessen/Pause in der Schule war ein englisches Lunchpaket, bestehend aus zwei Toasts mit verschiedem Belag (Nutella, Marmelade, Ham, Cheese), dazu eine Frucht, ein Schokoriegel und eine kleine Tüte Chips. Zum Trinken gab es eigentlich nur Leitungswasser (sehr chlorhaltig :-() und einen Sirup dazu, der unglaublich süß war.

An einem Wochenende fuhren wir dann auch nach St. Malo, Frankreich. Mit der Fähre brauchten wir 1, 15 h. Wir hatten das bereits über iST gebucht, mussten es vor Ort aber dann noch mal sichern. Schließlich, nach langem Hin und Her, hatte es geklappt, und wir fünf Mädels waren nach Frankreich gefahren. Nachdem wir erst einmal in die falsche Richtung gewandert waren, fanden wir letzten Endes die Altstadt und ließen es uns gut gehen. Wir bummelten durch die engen Gässchen, aßen Crepes und genossen die warme Augustsonne. Am Strand waren zwar viele Touristen, doch das machte das französische Ambiente nicht kaputt.

Nach zwei Wochen, die wirklich wie im Flug vergingen, saßen wir dann wieder im Flugzeug nach Hause. Mit gemischten Gefühlen. Einerseits freuten wir uns beide auf Zuhause, trotzdem war es schade, dass die schöne Zeit auf Jersey so schnell vergangen war. Doch den Urlaub würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen =)